Judentum

„Enge Verbündete, Freunde, Brüder“

„Nostra aetate“ öffnete eine Tür durch die der Kirche ein neuer Weg in ihrem Verhältnis zum Judentum und zu ihrer eigenen Erneuerung eröffnet.
Das jüdische Dokument „Zwischen Jerusalem und Rom“ ist ein Meilenstein im christlich-jüdischen Dialog. Wir Katholiken werden darin als „Partner, Verbündete, Freunde und Brüder“ bezeichnet. Martin Jäggle, er spricht am 8. November bei den „Theologischen Kursen“, über die Fortschritte im christlich-jüdischen Dialog.

 
Im Rahmen einer Audienz am 31. August im Vatikan überreichte der Wiener Oberrabbiner Arie Folger als einer der Autoren ein Dokument an Papst Franziskus, das die erste gemeinsame offizielle Antwort von rabbinischen Organisationen zum Christentum bildet. 
 
Am 26. Oktober überreicht Folger in Wien die deutsche Fassung dieses Dokuments – „Zwischen Jerusalem und Rom“ – an unseren Kardinal Christoph Schönborn.

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Univ.-Prof. Martin Jäggle, Präsident des Kordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit, erläutert im SONNTAG-Gespräch die Eckpfeiler dieses Dialogs zwischen Judentum und Christentum.
 
Sind Sie mit dem Fortgang des jüdischen-christlichen Gesprächs in den vergangenen Jahren zufrieden?mehr…

Buchpräsentation: Von Abba bis Zorn Gottes

Dienstag, 24. Okt. 2017, 19:00 Uhr

Abba 176
Regina Polak im Gespräch mit Norbert Reck, Willy Weisz und Markus Himmelbauer
Im 20. Jahrhundert haben die großen christlichen Kirchen auf höchster Ebene eine Neubesinnung auf das Judentum vollzogen. Bis heute begegnen allerdings die alten Pauschalvorstellungen in Gottesdienst und Schule: vom vermeintlich zornigen Gott des Alten Testamentes bis zu den "Pharisäern" als sprichwörtlich kleinlichen Gesetzesdienern. Dagegen hat es eine internationale Gruppe von 34 jüdischen und christlichen Wissenschaftlern gemeinsam unternommen, Irrtümer kompetent und allgemein verständlich aufzuklären.

> Zum Buch

Veranstaltungsort: Buchhandlung Herder
Um Anmeldung wird gebeten: gerhard.zach@herder.at
In Kooperation mit: Projektgruppe Biblia http://projektgruppe-biblia.at, KooA CJ christenundjuden.org, Fachausschuss Ökumene oekumene.wien, Kardinal König Stiftung, Institut für Praktische Theologie der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien

Was eine Fürbitte alles kann…

Ende letzten Jahres erwähnte der Präsident des ICCJ, Philipp Cunningham, dass in seiner Pfarre die jüdischen Feiertage immer zum Anlass genommen werden, eine Fürbitte für das Wohlergehen der jüdischen Gemeinde auszusprechen. Dabei solle es nicht um ein Beten zur Bekehrung der Juden gehen, sondern darum, über die jüdischen Feiertage zu lernen und des jüdischen Lebens bewusst zu werden. Davon ließ sich der Diözesanbeauftragte für christlich-jüdische Beziehungen, Ferenc Simon, inspirieren. In Zusammenarbeit mit dem übrigen Vorstand des Koordinierungsausschusses formulierte er Fürbitten und Erläuterungen, die sich wie ein Lauffeuer über Facebook verbreiteten. Es begann zu Channukkah, das letztes Jahr genau auf Weihnachten fiel, und ging mit Pessach und Schawuot weiter. Am 21. September beginnen die Hohen Feiertage mit Rosch ha Schana und wir möchten alle christlichen Gemeinden herzlich einladen, sich der Fürbitte anzuschließen und sie in den Gottesdienst aufzunehmen:


Rosch ha-Schana 2017

Fürbitte (21.-22. September oder am Sonntag den 24. September 2017)
Am Beginn des jüdischen neuen Jahres, am Fest Rosh ha-Shana, bitten wir Dich Allmächtiger/Gütiger/Herr Segne die Juden und Jüdinnen dieser Stadt. Möge das Jahr 5778 gut und süß sein. Denke an uns allen, damit wir leben und schreibe uns (für ein gutes Leben) ins Buch des Lebens ein.

Info: Das Neujahrsfest
Am 1. und 2. Tischri wird das Neujahrsfest begangen, das ein ernster Feiertag ist. Der Name Neujahr (Rosch ha-Schana) kommt in der Bibel nicht vor, und auch in den Gebeten dieses Festes ist kaum davon die Rede. Im Festsegen – und auch sonst – wird vom „Tag der Erinnerung“ oder „Tag des Posaunenschalls“ gesprochen.
Der Sinn des Neujahrsfestes liegt in der Erinnerung an den Bund, der zwischen Gott und Israel geschlossen wurde und der für die Israeliten eine sittliche Forderung und Verpflichtung darstellt. Der Tag soll dazu dienen, die Menschen zu veranlassen, in sich zu gehen, sich vom Bösen abzuwenden und gut zu handeln. Rosch ha-Schana ist der Tag, an dem der Mensch Rechenschaft über sein Tun ablegen und sich seiner moralischen Pflichten bewußt werden soll.
Als äußeres Instrument, den Menschen an seine moralischen Pflichten zu erinnern, dient die Posaune, der Schofar. Das ist ein Widderhorn, das im Morgengottesdienst nach der Tora- und Prophetenlesung sowie an mehreren Stellen des Zusatzgebetes in festgelegten Tonfolgen geblasen wird (außer wenn der Festtag auf einen Sabbat fällt.)
In vielen Gemeinden ist es Brauch, den Betraum für den Neujahrsgottesdienst besonders feierlich auszugestalten. Um die Erhabenheit des Tages zu betonen, pflegt in der Synagoge die weiße Farbe vorzuherrschen. Der Vorhang vor dem Toraschrank, die Decke auf dem Vorbeterpult und die Kleidung des Vorbeters sind weiß, im Gegensatz zu dem sonst Üblichen.
Rosch ha-Schana wird überall zwei Tage gefeiert, auch in Israel, wo bei den übrigen Festen die zweiten Tage entfallen. Der Kultus ist im wesentlichen an beiden Tagen identisch.
Die häusliche Feier des Neujahrstages besteht darin, daß dem Kiddusch und dem Segensspruch über das Brot noch ein Segen über Baumfrüchte angefügt wird. Man nimmt dazu einen Apfel, den man vor dem Verzehr mit Honig bestreicht, wobei man dem Wunsch Ausdruck verleiht, das neue Jahr möge gut und süß werden. Die Brote für das Neujahrsfest sind nicht wie sonst geflochten und länglich, sondern es ist üblich, rund gewickelte Weißbrote zu verwenden, um auf diese Weise den Jahreskreislauf zu symbolisieren.
Aus: Heinrich Simon: Jüdische Feiertage, Verlag Hentrich und Hentrich und Centrum Judaicum Berlin, 2003
Quelle:
http://www.zentralratdjuden.de/de/article/233.rosch-ha-schana.html


Jom Kippur 2017
Fürbitte (30. September oder am Sonntag den 1. Oktober 2017)
Zur Zeit des Versöhnungstages Jom Kippur bitten wir Dich, Gott, Dein zu Dir umkehrendes Volk Israel in Barmherzigkeit anzunehmen. Wende Dich auch uns Menschen zu in Milde und Liebe, erhöre unsere Bitten und besiegle den Eintrag im Buch des guten Lebens.

Info: Jom Kippur - Der Versöhnungstag
Den Höhepunkt der zehn Bußtage bildet der Versöhnungstag, der wichtigste Festtag des jüdischen Jahres. An ihm wird nach talmudischer Tradition das Urteil über den Menschen, das am Neujahrsfest, dem Tag des Gerichts, gefällt wurde, besiegelt und bekommt damit Gültigkeit. Der Versöhnungstag soll dazu dienen, den Menschen zu entsühnen, ihn die göttliche Verzeihung für seine Missetaten erlangen zu lassen. So ist der Versöhnungstag ein Tag der Reue, der Buße und Umkehr.
Dieser Tag ist ein strenger Fasttag, und zwar von Beginn des Festes am Abend bis zu seinem Ausgang am nächsten Abend. Weder Essen noch Trinken sind erlaubt; auch Körperpflege, mit Ausnahme des Benetzens der Hände und Augen mit Wasser, ist untersagt. Bevor man sich am Vorabend des Festes in die Synagoge begibt, entzündet man zu Hause ein Licht zum Andenken an seine verstorbenen Angehörigen, das 24 Stunden brennen soll. Manche pflegen auch eine Kerze im Vorraum der Synagoge aufzustellen. Es ist allgemein üblich, daß der Vorhang vor dem Toraschrank und die Decke auf dem Vorbeterpult weiß sind; auch die Torarollen befinden sich in weißen Hüllen. Die Betenden pflegen weiße Kleidung und eine weiße Kopfbedeckung zu tragen.
Der Abendgottesdienst, der noch bei Tageslicht beginnt, wird nach den Anfangsworten der ihn einleitenden Formel Kol Nidre (alle Gelübde) genannt. Dieser Text besteht in einer Erklärung, daß alle Gelübde und Schwüre null und nichtig sein sollen. Am Versöhnungstag dauert der Gottesdienst den ganzen Tag lang. Zu dem Morgengebet, dem festtäglichen Zusatzgebet und dem Nachmittagsgebet kommt noch ein nur an diesem Tag übliches Schlußgebet, an das sich dann nach Einbruch der Nacht das werktägliche Abendgebet und die Hawdala anschließen.
Im Anschluß an den Gottesdienst pflegt dann noch der Mondsegen im Freien stattzufinden, der im Tischri mindestens bis zu diesem Termin verschoben wird. Die Mahlzeit, die man nach dem langen Fasten einnimmt, wird als „Anbeißen“ bezeichnet; sie trägt einen festlichen Charakter, und man wünscht sich gegenseitig ein gutes Jahr und gute Besiegelung.
Aus: Heinrich Simon: Jüdische Feiertage, Verlag Hentrich und Hentrich und Centrum Judaicum Berlin, 2003
Quelle:
http://www.zentralratdjuden.de/de/article/235.jom-kippur.html


Sukkot 2017
Fürbitte (5.-11. Oktober oder am Sonntag den 8. Oktober 2017)
Herr des Universums, als unsere Vorväter die Wüste Sinai (vor ihrem Eintritt in das Land Israel) durchquerten, umringten und überschwebten sie die wundervollen Wolken der Herrlichkeit und schirmten sie von allen Gefahren und Unannehmlichkeiten der Wüste ab. Seither gedenkt Dein Volk Deiner Güte und beteuert erneut sein Vertrauen in Deine Fürsorge, indem es während des Sukkot-Festes in Hütten wohnt. Sei Du ihm Schutz und Schirm.

Info: Sukkot - Laubhüttenfest
Am 15. Tischri beginnt das Laubhüttenfest (Sukkot), das dritte in den Reihe der Wallfahrtsfeste. Es dauert neun bzw. sieben Tage, da der achte Tag, das sogenannte Schlußfest (Schemini Azeret), als selbständiger Feiertag angesehen wird; der neunte Tag, der Torafreudenfest (Simchat Thora) heißt, ist der zweite Tag dieses Schlußfestes, der nur in der Diaspora begangen wird.
Sukkot ist das „Fest des Einsammelns“, ein Dankfest für das Einbringen der Ernte, vor allem der Obst- und Weinernte; zugleich erinnert Sukkot an die Wüstenwanderung der Israeliten nach ihrem Auszug aus Ägypten und an das Wohnen in unfesten Hütten während dieser Periode. Die doppelte Bedeutung des Festes symbolisiert einerseits der Feststrauß, der am Vormittag im Gottesdienst vewendet wird, andererseits das Gebot, während dieser Tage in einer Hütte (Sukka) zu wohnen.
Der Feststrauß (Lulaw) besteht aus einem Zweig der Dattelpalme, drei Myrten- und zwei Bachweidenzweigen, die zu einem Gebinde vereinigt sind, sowie aus der Zitrusfrucht, dem Etrog, einer Zitronenart.
Der erste und der zweite Tag Sukkot sind Feiertage, die darauffolgenden Tage (3. - 7. Tag) Halbfeiertage. Der siebente Tag hat allerdings eine besondere religiöse Bedeutung und führt einen eigenen Namen: Hoschana rabba. Dieser Tag gilt als Gerichtstag über das Wasser, als der Tag, an dem von Gott über den lebenden Regen beschlossen wird, der ja im Vorderen Orient nur während des Winterhalbjahres fällt.
Für Sukkot ist charakteristisch das biblische Gebot, in einer Hütte zu wohnen, einem unfesten Gebäude. Die Hütte muß so beschaffen sein, daß sie kein festes Dach besitzt; vielmehr ist sie mit Zweigen, Stroh und Reisig gedeckt, und zwar so dicht, daß bei Sonnenschein die schattigen Stellen im Innern überwiegen, und so locker, daß nachts die Sterne hindurchschimmern. Die Laubhütte wird möglichst wohnlich ausgestattet und schön ausgeschmückt. In unseren Breiten wird das Gebot, in der Hütte zu wohnen, insofern erleichtert, als nur die Mahlzeiten in ihr eingenommen werden sollen, denn es kann in dieser Jahreszeit ja bereits recht kühl sein.
Quelle:
http://www.zentralratdjuden.de/de/article/236.sukkot.html

IKG-Präsident Deutsch zu Papstempfang: "Historischer Moment"

Erstmals gemeinsame offizielle Antwort von rabbinischen Organisationen zum Christentum wurde von Wiener Oberrabbiner Folger an Franziskus überreicht "historischen Moment"

Als einen "historischen Moment" hat der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, Oskar Deutsch, die Überreichung einer wegweisenden jüdischen Erklärung an Papst Franziskus bezeichnet. Im Rahmen einer Papstaudienz am Donnerstag im Vatikan überreichte der Wiener Oberrabbiner Arie Folger als einer der Autoren an Franziskus ein Dokument, das die erste gemeinsame offizielle Antwort von rabbinischen Organisationen zum Christentum bildet.

"Religionsgemeinschaften sind heute einerseits mit drohender Gewalt von Extremisten und andererseits mit wachsendem Unverständnis einer zunehmend religionsfeindlichen Welt konfrontiert", teilte Folger in einer Aussendung der Kultusgemeinde am Freitag mit. Dabei hätten die Religionsgemeinschaften in der Geschichte wesentlich zum Wohl der Gesellschaft beigetragen. "Um den gesellschaftlichen Herausforderungen besser gewachsen zu sein, versuchen wir unsere Partnerschaft und Zusammenarbeit mit den Katholiken zu stärken."

Präsident Deutsch bekundete seinen Stolz, dass der Oberrabbiner von Wien für die Verfassung dieses Dokuments ausersehen wurde. Folger wurde als Mitglied des Standing Committee for the Conference of European Rabbis und Officer des Rabbinical Council of America 2015 für diese Aufgabe eingesetzt. Der Text wurde in Abstimmung mit den rabbinischen Organisationen verfasst, einer der Unterzeichner ist Oberrabbiner Folger.

Darin würdigen die Vertreter des Judentums das Konzilsdokument "Nostra aetate" über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen und erklären zu den Beziehungen mit der katholischen Kirche: Die Rabbiner wollten partnerschaftlich und solidarisch gemeinsam mit den Christen für Toleranz, für eine positive Einstellung zu anderen Religionen, gegen Hass und für den Frieden eintreten - trotz theologischer Differenzen. "Es wäre schön, wenn dieser Impuls seine positive Wirkung in die Zukunft hat", so die Hoffnung von Präsident Deutsch.

Papst: Christen und Juden "Brüder"

Papst Franziskus hatte Christen und Juden nach dem Empfang am Donnerstag als "Partner, enge Verbündete, Freunde und Brüder im beiderseitigen Streben nach einer besseren Welt, die mit Frieden, sozialer Gerechtigkeit und Sicherheit gesegnet ist", bezeichnet. Judentum und katholische Kirche erlebten augenblicklich eine Phase des "fruchtbaren Dialogs".

Das spiegle sich auch in dem Dokument "Zwischen Jerusalem und Rom", das von der Europäischen Rabbinerkonferenz und dem Rabbinerrat von Amerika im Februar veröffentlicht worden war, sagte Franziskus. Das Papier verhehle nicht die theologischen Differenzen, bekunde aber den Wunsch nach engerer Zusammenarbeit.

Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress, www.kathpress.at

Rabbiner: "Das Übernatürliche gehört zur modernen Gesellschaft"

Rabbiner Walter Homolka, Rektor des Abraham-Geiger-Kollegs in Potsdam, sieht das Judentum durch die vermeintliche Säkularisierung nicht bedroht. Die Idee, die westlichen Gesellschaften befänden sich im Prozess ihrer Säkularisierung, "hat sich nicht bewahrheitet", so Homolka im Interview in der aktuellen Ausgabe der Wiener Kirchenzeitung "Der Sonntag". "Der kürzlich verstorbene Religionssoziologe Peter L. Berger hat uns klar gemacht, dass das Übernatürliche zur modernen Gesellschaft gehört", so Homolka wörtlich.

Im Juli wurde Homolka zum Präsidenten der "Union progressiver Juden in Deutschland" gewählt. Die Union vertritt als Körperschaft des öffentlichen Rechts 26 jüdische Gemeinden des liberalen Judentums. Der Dachverband, der vor 20 Jahren von Homolka selbst mitbegründet wurde, sei "Garant des Pluralismus innerhalb des Judentums". Homolka: "Jede Religion macht den Spagat zwischen Kontinuität und Wandel. Für mich ist gerade der Wandel der Schlüssel, dem Judentum treu zu bleiben."

Zur Frage, was einen liberalen Rabbiner von einem orthodoxen unterscheidet, meinte Homolka, dass liberale Rabbiner gut balancieren müssten: "Der Tradition treu und offen für die Moderne." Weil Vertreter des liberalen Judentums fertige Antworten scheuen, habe etwa Rabbiner Leo Baeck (1873-1956) zu Recht gesagt: "liberal zu sein ist so viel schwerer". Zwei Dinge sollte jeder gute Rabbiner laut Homolka beherzigen: "Die Menschen lieben und ihnen auf Augenhöhe begegnen."

Der Rabbiner erläuterte weiter, weshalb er Jesus bzw. die Beschäftigung mit Jesus nicht als Brücke zwischen beiden Religionen sieht: "Der Glaube Jesu verbindet Christen und Juden, der Glaube an Jesus trennt sie." So habe das etwa der jüdische Religionswissenschaftler Schalom Ben-Chorin (1913-1999) auf den Punkt gebracht.

Zur Frage, wie es zu seiner Entscheidung kam, mit 17 Jahren zum Judentum zu konvertieren, sagte der Rabbiner wörtlich: "Ich habe mich damals nicht gegen etwas entschieden, sondern für etwas: die Vorstellung, dass Gott uns Menschen in seinen Dienst ruft und uns fordert, die Welt der Heilung näher zu bringen. Dabei bleibt Gott selbst unverfügbar und verborgen. Dieser hohe Anspruch an den Menschen als Partner Gottes fasziniert mich noch heute."

Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress,
www.kathpress.at

Schawuot-Fürbitte

Ende letzten Jahres erwähnte der Präsident des ICCJ, Philipp Cunningham, dass in seiner Pfarre die jüdischen Feiertage immer zum Anlass genommen werden, eine Fürbitte für das Wohlergehen der jüdischen Gemeinde auszusprechen. Dabei solle es nicht um ein Beten zur Bekehrung der Juden gehen, sondern darum, über die jüdischen Feiertage zu lernen und des jüdischen Lebens bewusst zu werden. Davon ließ sich der Diözesanbeauftragte für christlich-jüdische Beziehungen, Ferenc Simon, inspirieren. In Zusammenarbeit mit dem übrigen Vorstand des Koordinierungsausschusses formulierte er Fürbitten und Erläuterungen, die sich wie ein Lauffeuer über Facebook verbreiteten. Es begann zu Channukkah, das letztes Jahr genau auf Weihnachten fiel, und ging mit Pessach und Schawuot weiter. Wir möchten alle christlichen Gemeinden herzlich einladen, sich der Fürbitte anzuschließen und sie in den Gottesdienst aufzunehmen:

Schawuot-Fürbitte (31. Mai und 1. Juni 2017 oder zu Pfingsten)
Wir beten für das Wohlergehen der Jüdinnen und Juden dieser Stadt. Sie feiern in diesen Tagen das “Wochenfest”, an dem sie sich dankbar an den Empfang der Torah am Berg Sinai erinnern. Dieses „Fest der Ernte“, der „Tag der Erstfrüchte“, die „feierliche Versammlung“ ist Freude über Dein Wort, das Leben ermöglicht. Behalte in deinem auserwählten Volk diese Freude über Dein Wort.

Info:
WOCHENFEST
Am 6. und 7. Siwan
(31. Mai und 1. Juni 2017) findet das Wochenfest (Schawuot) statt. Es hat – wie die beiden anderen Wallfahrtsfeste – eine doppelte Bedeutung, eine auf die Natur bezogene und eine historische. In der biblischen Zeit war Schawuot nur das „Fest der Erstlinge“ und es wurden an diesem Tag im Jerusalemer Tempel zwei Weizenbrote geopfert, die aus dem Mehl der neuen Ernte hergestellt worden waren. Auch die Erstlinge anderer landwirtschaftlicher Produkte durften erst von Schawuot an als Opfer dargebracht werden. An dieses mit dem bäuerlichen Leben verknüpfte Fest der Erstlinge erinnert noch heute der Brauch, zu Schawuot die Synagogen mit frischem Grün und mit Blumen auszuschmücken.
Von weit größerer Bedeutung ist der religiös-historische Inhalt des Wochenfestes geworden. Nach der talmudischen Überlieferung ist Schawuot die Zeit der Verkündung der zehn Gebote am Berg Sinai, des ersten umfassend formulierten Sittengesetzes in der Geschichte der Menschheit, das sich auf eine als ewig gesetzte Norm gründet. Auf der Anerkennung dieser Gebote durch die Israeliten beruht der Bund zwischen Gott und dem Volke, das von Gott erwählt wurde, einen besonderen Auftrag zu erfüllen: die göttlichen Gebote zu befolgen und sie in der Welt zu verbreiten. Die Erwählung Israels, die Vorstellung von der besonderen Rolle der Juden besteht in der Erfüllung dieser speziellen Aufgabe, als ein heiliges, Gott verpflichtetes Volk zu leben, stellt also eine besondere Verpflichtung dar. In diesem Sinne ist die Formulierung „auserwähltes Volk“ zu verstehen, nicht aber bedeutet sie ein Vorrecht der Juden gegenüber anderen Menschen.
Quelle:
http://www.zentralratdjuden.de/de/article/241.schawuot.html

Prof. Maximilian Gottschlich Unerlöste Schatten. Die Christen und der neue Antisemitismus

Wir möchten Sie gerne zu folgendem Vortrag im Jüdischen Institut für Erwachsenenbildung einladen:
 
Mittwoch, 17. Mail 2017 um 18:30
 
Der Antisemitismus tritt heute in neuer Maske auf. Worin besteht sein modernes Erscheinungsbild? Welches sind die tieferen Ursachen für den neuen Judenhass? Und: Welche Konsequenzen ergeben sich für ein engagiertes Christentum - 50 Jahre nach dem offiziellen Bekenntnis der Kirche zum jüdischen Volk durch das Zweite Vatikanische Konzil? Mit diesen Fragen hat sich Maximilian Gottschlich ausführlich in seinem neuen Buch "Unerlöste Schatten. Die Christen und der neue Antisemitismus" (Verlag F. Schöningh 2015) beschäftigt.
 
Aufgrund der begrenzten Platzanzahl ersuchen wir um eine Anmeldung unter
jife@vhs.at.
Wir ersuchen Sie die Information an Interessierte weiter zu leiten. Danke!
 
 
UnbekanntUnbekannt
 
Mit freundlichen Grüßen /
בברכה  / Best regards
 
Jüdisches Institut für Erwachsenenbildung
Praterstern 1, 1020 Wien
T: +43 1 891 74 153000
F: +43 1 891 74 353100
E-Mail:
jife@vhs.at
Internet:
www.vhs.at/jife
Die Wiener Volkshochschulen GmbH
Firmensitz: Wien | FN 304196y | Handelsgericht Wien

Pessach: Kirchliche Glückwünsche an Kultusgemeinde

Koordinierungsausschuss-Präsident Jäggle: Heute können sich Christen und Juden gemeinsam den gesellschaftlichen Herausforderungen stellen

Martin Jäggle, Präsident des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit, hat am Freitag in einem Schreiben Oberrabbiner Arie Folger und den Israelitischen Kultusgemeinden in Österreich zum Pessach-Fest (heuer 11. bis 18. April) gratuliert. Wie Jäggle schreibt, sei in den letzten Jahrhunderten die nahe Osterzeit eine bedrohliche Zeit für Jüdinnen und Juden gewesen. Die christliche Judenfeindschaft sei insbesondere in der Karwoche und durch die Passionserzählungen angeheizt worden. Doch die christlichen Gemeinden seien sich ihrer schuldbehafteten Vergangenheit bewusst.

Das Wissen um diese Vergangenheit befreie, so Jäggle, und führe "heraus aus der Feindschaft der Vergangenheit über die langen Wege der Annäherungsversuche und des Dialogs mit dem Judentum hin zu einem Ort der Unterstützung und Freundschaft." Heute könnten "Christinnen und Christen, Jüdinnen und Juden einander in Verschiedenheit wertschätzen, voneinander lernen und sich Seite an Seite den gesellschaftlichen Herausforderungen stellen", so der Präsident des Koordinierungsausschusses.

Weltweit feiern mehr als 15 Millionen Juden das einwöchige Pessach-Fest. Pessach erinnert an den Auszug der Israeliten aus Ägypten und die Befreiung aus der Sklaverei. Pessach (auch Passah, Pascha) ist eines der wichtigsten Familienfeste. Der Name Pessach bedeutet auf Hebräisch "Vorüberschreiten". Er erinnert daran, wie die Israeliten in der Nacht vor ihrem Auszug aus Ägypten ihre Hauspfosten mit dem Blut von geschlachteten Lämmern markierten, so dass ihre Familie verschont blieben, während sonst alle Erstgeborenen im Land starben.


Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress, www.kathpress.at

Nachschlagewerk listet christliche Irrtümern über Juden auf

Herausgeber: Alte Bilder vom liebevollen Vater des Neuen Testaments im Gegensatz zum zornigen Gott des Alten Bundes sind immer noch lebendig

Unter dem Titel "Von Abba bis Zorn Gottes. Irrtümer aufklären - das Judentum verstehen" hat der Gesprächskreis "Juden und Christen" beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) ein "Handbuch" vorgelegt. Die von Paul Petzel und Norbert Reck herausgegebene Sammlung von 58 Stichwörtern aus Gebieten, in denen Judentum und Christentum einander berühren, analysiert Begrifflichkeiten und damit verbundene Irrtümer rund um das Judentum.

Trotz aller Erneuerung seien die alten Bilder vom liebevollen Vater des Neuen Testaments im Gegensatz zum zornigen Gott des Alten leider immer noch lebendig, so die Herausgeber. Das Buch wolle die alten Irrtümer aufdecken und Anregungen geben, wie stattdessen im Lichte der christlichen Neubestimmung des Verhältnisses zum Judentum von ihnen gesprochen werden könne.

Über 30 Fachleute aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, Juden und Christen wirkten an dem Nachschlagewerk mit, das von der Deutschen Bischofskonferenz, der Waldenfels-Born-Stiftung sowie der Buber-Rosenzweig-Stiftung und dem ZdK unterstützt wird.

Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress, www.kathpress.at

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Wien: Gedenken an Auslöschung jüdischen Lebens 1938

Noch nie waren die Voraussetzungen für einen zukunftsorientierten positiven Dialog zwischen Christen und Juden so gut wie jetzt. Zugleich dürfe die schuldbeladenen Geschichte niemals in Vergessenheit geraten: Das war der Tenor einer christlich-jüdischen Veranstaltung im Wiener Bezirksamt Fünfhaus im Gedenken an den Turnertempel. Der Turnertempel im 15. Bezirk wurde nach der Synagoge in der Seitenstättengasse und dem Leopoldstädter Tempel als dritte Synagoge Wiens erbaut. Er wurde im November 1938 im nationalsozialistischen Furor der "Reichspogromnacht" völlig zerstört und niedergebrannt. Ein wertvolles Kulturgut und ein religiöser Ort wurde ausgelöscht, während Passanten und Nachbarn einfach zusahen und auch die Feuerwehr nichts gegen den Brand unternahm.
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Was das Judentum der Welt schenkt

Oberrabbiner Arie Folger, die höchste religiöse Instanz des Judentums in Österreich, schweigt kurz: Auf die Frage, welches Buch der Hebräischen Bibel er am meisten schätzt, sagt er nach einigen Augenblicken des Nachdenkens: „Eine besondere Inspiration beziehe ich aus Esra-Nehemia.“ Warum?
 
„Weil Esra und Nehemia in einem Umfeld werkten, in dem Juden lange keine jüdische Erziehung hatten.“ Die Juden kamen damals aus dem Babylonischen Exil zurück nach Israel. Und sie mussten wieder lernen, jüdisch zu leben. Folger: „Am ersten Tag des siebten Monats kommen sie zu Esra und sagen: Wir wollen Torah lernen, was ist das Judentum? Und sie lesen sechs Stunden lang aus der Torah. Am nächsten Tag lesen sie weiter. Und dann entdecken sie das Laubhüttenfest, das bald gefeiert werden soll.“
 
Solche Szenen hat Folger schon öfters erlebt, wenn Leute den Weg zurück zu ihrem Judentum finden. „Dass diese Menschen das Judentum dann neu als Bereicherung empfinden, das gibt mir Mut“, sagt der Oberrabbiner.
 
Herr Oberrabbiner, wenn Sie das Judentum in wenigen Sätzen erklären müssten, wie würden diese Sätze lauten?

Arie Folger: Das jüdische Volk sieht sich als auserwähltes Volk mit einem bestimmten Auftrag, um eine Art Gesellschaft aufzubauen, damit bestimmte, von Gott erwünschte Werte in die Welt eindringen. Eine Gesellschaft, die quasi als Modell-Gesellschaft dienen kann, woraus Leute sich inspirieren lassen können.

Der Plan, wie diese Gesellschaft aufzubauen ist, basiert auf der Torah als Verfassung. Das Zentrum dieser Gesellschaft ist das Heilige Land und die jüdischen Gemeinden weltweit sind die Satelliten dieser Gesellschaft.
 
Was ist das Geschenk des Judentums an die Menschheit?
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KIRCHEN FEIERN AM 17. JÄNNER DEN "TAG DES JUDENTUMS"

Pasted GraphicGottesdienste und Veranstaltungen in ganz Österreich zeigen Verwurzelung des Christentums im Judentum - Gottesdienst des ÖRKÖ zum "Tag des Judentums" am 17. Jänner  in der katholischen Pfarre St. Johann Nepomuk in Wien
 
Die Kirchen in Österreich feiern am 17. Jänner den "Tag des Judentums". Das Christentum ist in seinem Selbstverständnis wesentlich mit dem Judentum verbunden; damit dies den Christen immer deutlicher bewusst wird, hat der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) im Jahr 2000 den "17. Jänner - Tag des Judentums" als Gedenktag im Kirchenjahr eingeführt. Dabei sollen sich die Christen in besonderer Weise ihrer Weggemeinschaft mit dem Judentum bewusst werden und zugleich des von ihnen an jüdischen Menschen und ihrem Glauben begangenen Unrechts in der Geschichte gedenken.

Die Initiative zum "Tag des Judentums" geht auf die Zweite Europäische Ökumenische Versammlung 1997 in Graz zurück. Auch in Italien, Polen und den Niederlanden wird der Tag des Judentums begangen. Das Datum für den Tag des Judentums ist bewusst gewählt: Den Geist dieses Tages sollen die Kirchen in die anschließende weltweite "Gebetswoche für die Einheit der Christen" (18. bis 25. Jänner) weiter tragen. Denn bei allen Trennungen der Christenheit untereinander sei allen Kirchen gemeinsam, dass sie im Judentum verwurzelt sind, so die Veranstalter.

Gottesdienste, Vorträge, Begegnungen

Der "Tag des Judentums" wird in ganz Österreich mit verschiedenen Veranstaltungen und Gottesdiensten begangen. Der zentrale Gottesdienst des ÖRKÖ zum "Tag des Judentums" findet am Dienstag, 17. Jänner, um 18 Uhr in der katholischen Pfarre St. Johann Nepomuk (Nepomukgasse 1, 1020 Wien) statt. Die Predigt hält der altkatholische Bischof Heinz Lederleitner.

Der Ökumenische Arbeitskreis Salzburg lädt am 17. Jänner um 15 Uhr zu einem Studiennachmittag in die Theologische Fakultät Salzburg (Universitätsplatz 1). Zum Thema "Israel - eine (theologische) Annäherung" diskutieren Susanne Plietzsch (Salzburg), Regina Polak (Wien) und Thomas Lipschütz (Innsbruck). Im Anschluss findet um 18.15 Uhr ein ökumenischer Gottesdienst im Sacellum statt.

In Wien, im Bezirksamt Fünfhaus (Gasgasse 8-10), stimmen am 16. Jänner "Erinnerungen an den Turner-Tempel, Wien 15" auf den "Tag des Judentums" ein. Martin Jäggle, Präsident des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit, spricht zum Thema "Turner-Tempel und 'Maria vom Siege': Nebeneinander der beiden Repräsentationsbauten in 'versöhnter Verschiedenheit'". Der lutherische Altbischof Herwig Sturm nimmt die "Distanzierung vom Antijudaismus in Martin Luthers Altersschriften" in den Blick. ÖRKÖ-Vorsitzender Thomas Hennefeld hält eine Kurzlesung aus dem Buch Ezechiel. Koordinierungsausschuss-Geschäftsführerin Sarah Egger benennt zum Abschluss Zukunftsperspektiven in der christlich-jüdischen Zusammenarbeit.

Der Turnertempel stand Ecke Turnergasse/Dingelstedtgasse im 15. Bezirk und wurde nach der Synagoge in der Seitenstättengasse und dem Leopoldstädter Tempel als dritte Synagoge Wiens erbaut. Er wurde 1938 im nationalsozialistischen Furor der "Reichspogromnacht" völlig zerstört und niedergebrannt. Ein wertvolles Kulturgut, ein religiöser Ort wurde ausgelöscht, während Passanten und Nachbarn einfach zusahen und auch die Feuerwehr nichts gegen den Brand unternahm.

Der Wiener Theologe Gunter Prüller-Jagenteufel beleuchtet am 17. Jänner in Linz "Dietrich Bonhoeffer und das Judentum". Der Vortrag beginnt um 19.30 Uhr in der "Katholischen Privatuniversität Linz" (Bethlehemstraße 20). Tags darauf, am 18. Jänner, erzählt Ruth Steiner im Katholischen Bildungshaus in Tainach (19 Uhr, Propsteiweg 1) über ihr Leben als Christin auf der Suche nach ihrer jüdischen Identität.

Weitere Informationen zu Veranstaltungen rund um den "Tag des Judentums" sind im Internet auf der Website des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit unter
www.christenundjuden.org abrufbar.

Quelle: http://www.oekumene.at

Weihnachten und Chanukkah

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In diesem Jahr fallen Weihnachten und Chanukkah genau aufeinander, was nur ein paar Mal pro Jahrhundert vorkommt. Nutzen wir die Gelegenheit, um Brücken zu bauen!
Hier ein Vorschlag:

Fürbitte (24. Dez. 2016 - 1. Jän. 2017)
Wir beten für das Wohlergehen der Jüdinnen und Juden dieser Stadt. Sie zünden in diesen Tagen die Chanukka-Lichter als Erinnerung an den siegreichen Befreiungskampf der Makkabäer, die Wiedereinweihung des Tempels zu Jerusalem und all die Wunder, die der Ewige Seinem Volk Israel widerfahren hat lassen. Wir bitten Ihn Seine Hand weiter schützend über sie zu halten.



Info:
CHANUKKA (LICHTERFEST)
"Chanukka ist das einzige jüdische Fest, das auf einen militärischen Sieg zurückgeht: den Sieg der Makkabäer gegen die hellenistischen Syrer im 2. Jahrhundert v.Z. Das achttägige Lichterfest Chanukka erinnert an die Wiedereinweihung des Tempels in Jerusalem, nachdem er entweiht worden war.
Der siebenarmige Leuchter (Menora) diente im Tempel als Ewiges Licht und wurde täglich mit hierfür abgezapftem und geweihtem Öl gefüllt. Dieses hatten die Eroberer Jerusalems ausgeschüttet, so dass bei der Wiedereinweihung zunächst kein Öl zur Verfügung stand. Das Öl in einem gefundenen Kännchen, das normalerweise für einen Tag reichte, brannte jedoch acht Tage, so lange, bis neues geweihtes Öl beschafft werden konnte. An dieses Ölwunder erinnert Chanukka, indem man nun an einem neunarmigen Leuchter (Chanukkija) jeden Abend eine Kerze mehr anzündet. Bei manchen orientalischen Juden ist der Brauch umgekehrt: Am ersten Abend werden alle acht Kerzen (+ »Diener«) und dann jeden Abend eine weniger angezündet.
Die Makkabäerbücher sind lediglich im Kanon des katholischen Alten Testaments überliefert und finden sich weder im evangelischen Alten Testament noch in der jüdischen Bibel (tanach). Zu den beliebten Bräuchen gehört es, in tiefem Öl gebratene Speisen zu essen (Krapfen, Kartoffelpuffer), kleinere Geschenke an die Kinder zu verteilen und mit einem Kreisel zu spielen.

Christlich-jüdischen Dialog intensiv weiterführen

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Seit 60 Jahren bemüht sich der "Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit" um vertiefte Beziehungen zwischen den beiden Religionen. Mit einem Festakt im Wiener Kardinal-König-Haus wurde das Jubiläum am Mittwochabend, 17. November 2016 gefeiert.
Festakt zum 60-jährigen Bestehen des "Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit" im Wiener Kardinal-König-Haus.
Seit 60 Jahren bemüht sich der "Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit" um vertiefte Beziehungen zwischen den beiden Religionen. Mit einem Festakt im Wiener Kardinal-König-Haus wurde das Jubiläum am Mittwochabend, 17. November 2016 gefeiert.

Als Gratulanten stellten sich u.a. die Bischöfe Manfred Scheuer (katholisch) und Michael Bünker (evangelisch) sowie Raimund Fastenbauer, Generalsekretär der Israelitischen Kultusgemeinden, ein. Staatssekretärin Muna Duzdar überbrachte die Glückwünsche der Bundesregierung. Der Tenor der Veranstaltung: Trotz aller Erfolge in der Vergangenheit gelte es für die Zukunft, im Koordinierungsausschuss die "Hemdsärmel aufzustricken und den Dialog weiterzuführen", wie es Vizepräsident Willy Weisz formulierte.

UNESCO-Resolution zum Tempelberg
Wie wichtig die Arbeit des Koordinierungsausschusses ist, verdeutlichte dessen Präsident Prof. Martin Jäggle am Beispiel der jüngsten UNESCO-Resolution zum Jerusalemer Tempelberg. Die Weltkulturorganisation hatte im Oktober eine Erklärung verabschiedet, die den jüdischen Charakter des Tempelberges komplett negiert. Darin wird der Ort lediglich als muslimische Stätte bezeichnet. Das sei "unerträglich", so Jäggle. Hier habe der Koordinierungsausschuss als erster in Österreich seine Stimme erhoben. Andere Institutionen hätten sich dem Protest dann angeschlossen.mehr…

Christliches Gedenken an Novemberpogrome

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Veranstaltungsreigen beginnt am 26. Oktober mit Exkursion nach Brünn, am 3. November Abend über "Antisemitismus im Netz", am 9. November Ökumenischer Gedenkgottesdienst in Ruprechtskirche

Zum Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen Novemberpogrome des Jahres 1938 gegen die jüdische Bevölkerung in Wien veranstalten auch heuer wieder mehrere christliche und jüdische Organisationen gemeinsam die "Bedenktage"-Reihe "Mechaye Hametim - Der die Toten auferweckt". In Erinnerung an die Ereignisse am 8./9. November vor 78 Jahren finden von 26. Oktober bis 16. November zahlreiche Veranstaltungen statt. Im Zentrum steht ein ökumenischer Gottesdienst in der Wiener Ruprechtskirche am 9. November. "Worte des Gedenkens" spricht dabei der evangelische Superintendent von Salzburg und Tirol, Olivier Dantine, anschließend ist ein Schweigegang zum Mahnmal für die jüdischen Opfer der Schoa auf dem Judenplatz vorgesehen.

In der Nacht vom 9. auf 10. November 1938 wurden im gesamten deutschen Machtbereich Synagogen in Brand gesteckt, jüdische Geschäfte sowie Wohnungen zerstört und verwüstet. Zahlreiche Juden wurden bei den Pogromen getötet oder verletzt. Allein in Wien wurden im Zuge des Furors insgesamt 42 Synagogen und Bethäuser zerstört. 6.547 Wiener Juden kamen in Haft, knapp unter 4.000 davon wurden in das Konzentrationslager Dachau verschleppt.

EXKURSION INS WEINVIERTEL UND NACH MÄHREN

Bereits am Mittwoch, 26. Oktober, führt eine Exkursion auf die Spuren des Judentums im Weinviertel und Mähren: Geplant sind Besuche des jüdischen Friedhofs in Mistelbach sowie von Synagogen und Friedhöfen in Breclav und Brünn. (Infos und Anmeldung bis 24. Oktober beim Katholischen Akademikerverband Wien, Tel.: 01/51.552-5100, www.kav-wien.at)

Brisanz verspricht der Abend am 3. November: Ab 19 Uhr ist im Otto Mauer-Zentrum (Währinger Straße 2-4, 1090 Wien) ein Vortrag des Rechtsextremismusforschers Andreas Peham vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes über "Antisemitismus im Netz" geplant. Insbesondere neonazistisch und islamistisch motivierte Vorurteile und Hassparolen seien im Internet ein Problem, heißt es in der Ankündigung.

"'Ich war doch nicht dabei!' Welche Verantwortung tragen wir heute?": Unter diesem Titel wird am 8. November ab 15.30 Uhr im Christlich-jüdischen Informationszentrum (Tandelmarktgasse 5, 1020 Wien, Gassenlokal) von Andreas Peham und der Buchautorin Ruth Steiner ein oft gehörter Einwand gegen Erinnerungskultur analysiert.

"WARUM LÄSST GOTT SO VIEL LEID ZU?"

Am selben Tag widmet sich der Wiener Dogmatikprofessor Jan Heiner Tück um 19 Uhr im Otto Mauer-Zentrum einem theologischen "Dauerproblem" vor dem Hintergrund der Schoa: "Warum lässt Gott so ein unbeschreibliches Leid zu?" Tück greift Fragen auf, denen sich die christliche Theologie nach Auschwitz zu stellen habe: "In welchem Verhältnis steht die Passion des Gekreuzigten zum Leiden der jüdischen Opfer? Wie steht es um die Täter? Lässt sich nach der Schoa die Hoffnung auf Versöhnung aufrechterhalten?)

Spiritueller Höhepunkt der Bedenktage ist der Ökumenische Gottesdienst am Samstag, 9. November, um 19 Uhr unter dem Titel "Mechaye Hametim - Der die Toten auferweckt". Im geht um 17 Uhr ein Gottesdienst der Gemeinde St. Ruprecht zum Bibelwort "Wenn du den Herrn, deinen Gott, fürchtest ..." voraus.

Weitere Veranstaltungen nach dem Jahrestag der Pogrome: Am 10. November, lädt Sarah Egger vom Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Verständigung zu einem Stadtspaziergang von 14.30 bis 17.30 Uhr: Gezeigt wird dabei "Jüdisches Leben abseits von Friedhof und Synagoge".

"KANN DIE SCHOA HEUTE GEZEIGT WERDEN?"

Am 14. November präsentiert "Furche"-Religionsjournalist und Filmexperte Otto Friedrich um 18 Uhr im Otto Mauer-Zentrum den ausgezeichneten Spielfilm "Son of Saul" (2015) des ungarischen Regisseurs Laszlo Nemeth und beleuchtet anschließend die Frage: "Kann die Schoa heute gezeigt werden?"

Am 16. November schließlich geht es um 18.30 Uhr im Wiener Curhaus am Stephansplatz 3 um "das geistliche Testament von P. Christian de Chergé" - jenes aus dem preisgekrönten Film "Von Menschen und Göttern" (2010) bekannten französischen Trappisten und Prior des Klosters in Tibhirine (Algerien), der zusammen mit sechs Mitbrüdern 1996 ermordet wurde. Seine hinterlassenen Schriften zählen mittlerweile zu den Klassikern der zeitgenössischen spirituellen Literatur, vorstellen wird sie Christoph Benke von der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Pölten.

Gemeinsam getragen wird die Veranstaltungsreihe von der Gemeinde St. Ruprecht, der Evangelischen Akademie und der Evangelischen Hochschulgemeinde Wien, der Wochenzeitung "Die Furche", dem Jüdischen Institut für Erwachsenenbildung, dem Forum Zeit und Glaube des Wiener Katholischen Akademikerverbandes, der Katholischen Aktion Österreich, dem Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit, den Theologischen Kurse und dem Kardinal König-Haus.

(Infos zu allen Veranstaltungen:
www.ruprechtskirche.at; www.christenundjuden.org)